Zufriedenheit

Zufriedenheit – was ist das und woher kommt das?

Meine Freundin Ingrid hatte die Idee, dass wir beide einen Blog-Eintrag zu dem Thema ‚Zufriedenheit‘ schreiben. Wahrscheinlich will sie sich nur wieder einmal mit mir vergleichen (sie steht totaaal auf Wetten, Wettstreits, etc. – da wird sie immer ganz ehrgeizig) und hofft darauf, dass ihr Text besser wird als meiner! 😀

Eingangs habe ich kurz den Wikipedia Artikel zum Thema Zufriedenheit überflogen … beziehungsweise, ich habe es versucht. Dann habe ich beschlossen, über meine ganz eigene Definition von Zufriedenheit zu schreiben – wie es sich anfühlt, woher es kommt und wann es wieder weggeht.

Ich versuche im Folgenden meine Gedanken und Definition von Zufriedenheit in Worte zu fassen:

ZUFRIEDENHEIT IN VERBINDUNG MIT ZIELSETZUNGEN (PERFEKTIONISTEN)

Zufriedenheit ist nichts Halbes und nichts Ganzes. Zufriedenheit ist der Mangel an besonders positiven oder negativen Gefühlen. Demnach ist Zufriedenheit nicht ein bestimmtes Gefühl, sondern eben genau das Gegenteil – kein Gefühl. Dieses Gefühl ist davon abhängig, welche Ziele man sich setzt, wie wichtig einem diese Ziele sind und wie viele, oder wie gut man eben jene Ziele am Ende des Tages/Jahres/Lebens erreicht hat. Da man sich ja meist zum Ziel setzt etwas zumindest einigermaßen gut umzusetzen, sei es eine Klassenarbeit oder irgend ein Projekt, ist Zufriedenheit meist eher mit etwas positivem verbunden. Wobei die Zufriedenheit selbst nicht das positive ist, sondern einfach das Erreichen des selbst gesetzten Ziels.

Man kann zufrieden mit seiner „Arbeit“ sein. Was hier bedeuten könnte, dass ich am Ende des Blog-Eintrags nicht das Gefühl haben sollte, dass mein Text kompletter Schwachsinn war, aber eben auch nicht unbedingt Pulitzer-Preis verdächtig. Zumindest ist es in meinem Fall so, denn ich möchte diesen Text nur schreiben um a) meine (noch nicht vorhandenen) Leser zu unterhalten; b) etwas zu tun haben, um der Langeweile vorzubeugen; und c) Ingrid zu „befriedigen“ (sie mag es, wenn ich ‚produktiv‘ bin). Mein Ziel ist es also überhaupt nicht, mit diesem Text einen Preis zu gewinnen, daher wird es recht einfach sein, mich damit zufrieden zu geben.

Anders verhält es sich bei Perfektionisten. Ich hatte eine Zeit lang das Gefühl selbst ein Perfektionist zu sein. Inzwischen glaube ich jedoch, dass ich generell ein ziemlich unsicherer Mensch bin mit verschobener Selbstwahrnehmung. Ich benötige sozusagen „nur“ etwas Bestätigung von außen um mich mit meiner Arbeit zufrieden geben zu können. Es muss mir also jemand anderes, als ich selbst, klar machen, dass ich mein Ziel erreicht habe. Das ist wohl auch ziemlich anstrengend, aber ich glaube immer noch um einiges besser, als Perfektionist zu sein.

Denn ein Perfektionist wird immer unzufrieden sein mit dem was er tut. Er wird immer Dinge finden, die er besser hätte machen können. Er steckt sich selbst (insgeheim) immer die höchsten Ziele, die natürlich unheimlich schwer zu erreichen sind und kann somit so gut wie nie zufrieden sein. Ich glaube, das ist es auch, was Perfektionisten zu den besten und zugleich kaputtesten Künstlern unserer Zeit macht. Sie setzen sich immer die höchsten Ziele, sind nie zufrieden mit dem was dabei herauskommt, stecken sich beim nächsten mal noch höhere Ziele und verbessern sich dadurch immer und immer mehr. Jedoch werden sie ihr Ziel nie so richtig erreichen können, da die Zielsetzung mit dem eintretenden Erfolg weiter auf ein unerreichbares Maß wächst.

Wenn ich etwas Neues erlerne, steigert es zunächst die Motivation, wenn ich darin immer besser und besser werde. Sobald ich das Gefühl habe, wirklich gut darin zu sein verfliegt die Motivation nach und nach, noch besser zu werden, da ich ja bereits mit meiner eigenen Leistung zufrieden bin und kaum Sinn darin sehe, so viel Zeit zu investieren um noch besser zu werden. Auch wenn Perfektionisten vielleicht ihre Sache am besten machen, sehen sie ihr Werk nie als gut genug an. Sie sehen sich nicht als jemand, der es besser als die meisten anderen macht, sondern eher, dass die meisten es einfach noch schlechter machen als sie selbst.

Dementsprechend würde ich Zufriedenheit als zweischneidiges Schwert ansehen, denn sie ist gut für die Psyche, jedoch „schlecht“ um in unserer heutigen Leistungsgesellschaft aus der Masse herausstechen zu können. Was einem von diesen beiden Dingen wichtiger ist, muss jeder für sich selbst entscheiden, ich persönlich würde mich jedoch nach Möglichkeit immer für die gesunde Psyche entscheiden.

 

ZUFRIEDENHEIT UND BEDÜRFNISSE

Bei Zufriedenheit geht es aber auch nicht nur allein um die Dinge, die man selbst tut und Ziele, die man sich setzt und erreicht, sondern geht es auch um Bedürfnisse, die gestillt werden müssen. Sobald ein dringendes Bedürfnis nicht erfüllt wird, ensteht eine Art von Unzufriedenheit. Ist man beispielsweise stundenlang in einer Stadt unterwegs, kommt es auch mal dazu, dass man auf Toilette muss. Je stärker der Harndrang zunimmt, desto Unzufriedener wird man. Findet man dann mal eine öffentliche Toilette, kann in nur wenigen Sekunden die Zufriedenheit wiederhergestellt werden – so doof es auch klingen mag.

Diese Zufriedenheit hält so lange an, bis das nächste Bedürfnis ‚aufploppt‘, was in dem genannten Beispiel der Hunger sein könnte. Hier kommt es, bei mir zumindest, dann aber auch darauf an WAS man zu sich nimmt. Esse ich einen, nicht allzu lecker schmeckenden Müsliriegel, kann die Zufriedenheit eventuell nicht kurzfristig wiederhergestellt sein, da mein Bedürfnis, meinen Hunger auf leckere Art und Weise zu stillen, nicht befriedigt wurde. Irgendwann fangen einem auch die Füße an zu schmerzen, die durch Beine hochlegen gemildert werden können…

So könnte man Beispiel an Beispiel reihen um darzustellen wie Bedürfnisse und Zufriedenheit zusammenhängen.

ZUFRIEDENHEIT UND DIE LEBENSUMSTÄNDE

Braucht man etwas um zufrieden sein zu können? Ich finde, das hängt stark von den persönlichen Umständen ab. Von dem was man kennt, was man gewohnt ist und welche Bedürfnisse man welchen Stellenwert gibt. Ich behaupte, dass man diese Frage, beziehungsweise Aussage, nicht verallgemeinern kann, da es für jeden einzelnen Menschen unterschiedlich ausfallen kann. Man wird keinen Menschen, der in Deutschland lebt, mit jemandem vergleichen können, der autark im Urwald lebt. Das funktioniert einfach nicht.

Menschen aus dritte-Welt-Länder geht es, zumindest aus unserer Sicht, größtenteils „gleich schlecht“. Die Menschen dort sind in der Maslowschen Bedürfnispyramide viel weiter unten, als wir es sind. Diese Menschen haben stets damit zu kämpfen, dass physiologische- und Sicherheitsbedürfnisse erfüllt werden. Man kann nur eine Stufe auf der Pyramide nach oben steigen, wenn alle Bedürfnisse einer Stufe erfüllt sind. Da man dort aber stets mit Hunger, Hitze, Kälte, Krankheit, Tod, Krieg, etc. zu tun hat, sind sie auf einer ganz anderen Stufe als wir es sind.

Während ich 9 Jahre lang damit unzufrieden war, kein Geld für einen Urlaub zu haben, wird so manch anderer überhaupt kein Verständnis für mich haben, da sein Geld nicht einmal ausreicht, sich und seine Familie zu ernähren.

 

 

Die AfD versucht durch vermeintliche Gefahr durch „Masseninvasion der Asylanten/Muslime“ das Sicherheitsbedürfnis der Bürger ins Wanken zu bringen, und als Rattenfänger durch die Straßen zu ziehen. Das Bedürfnis, in Sicherheit vor den ach-so-gefährlichen Ausländern zu sein, liegt in der Maslowschen Bedürfnispyramide ziemlich weit unten und ist somit logischerweise den Menschen viel wichtiger als Steuer Vor-/Nachteile, Sozialwirtschaft, Umweltschutz, etc., wodurch bei Wahlen die Stimmen der Menschen, die naiv genug sind, auf diese Rattenfänger hinein zu fallen, so gut wie sicher sind. So erkläre ich mir zumindest den aktuellen Erfolg der AfD.

Abgesehen davon, sind in unserer Gesellschaft Sicherheitsbedürfnisse und physiologische Bedürfnisse kein Thema. Dadurch sind wir auf einer Ebene in der wir uns oft nach materialistischen Dingen zehren. Und genau hier gibt es unendlich viele Abstufungen. In Deutschland kann wohl (eigentlich) jeder sich zumindest eine Mahlzeit und eine Wohnung leisten. Nur zwischen trocken Brot und Kaviar, sowie einer 20m² „großen“ Wohnung und einem 2.000m² großem Grundstück mit Landhaus darauf, liegen einfach Welten.

Der eine läuft jeden Tag zur Schule und beneidet den, der sich ein Fahrrad leisten kann. Der auf dem Fahrrad ist damit beschäftigt, den Typ mit dem Mofa zu beneiden, während dieser wieder jemanden mit einem richtigen Motorrad beneidet. Technologie und Luxus kennt keine Grenzen und somit kennt auch unser Neid keine Grenzen. Und Neid kann nun mal auch stark unsere Zufriedenheit beeinflussen.

Wie Neid genau entsteht, warum er entsteht und wieso manche Menschen ihren Neid besser im Griff haben als andere, weiß ich nicht. Ich selbst würde mich schon als Mensch bezeichnen, der schnell neidisch werden kann, jedoch bin ich meist eher auf konstruktive Weise neidisch. Ich lasse mich also von meinem Neid anspornen und setze mir so neue Ziele und überlege, wie ich diese Ziele erreichen kann – statt der Person, auf die ich neidisch bin, die Sache zu missgönnen (destruktiver Neid).

Und jetzt…? Jetzt bin ich zufrieden mit mir und meinem Text. Vielleicht hab ich auch etwas übertrieben, aber das ist mir egal. Es gibt noch sehr viel mehr Aspekte, welche die Zufriedenheit beeinflussen – ich habe mich nun aber mit den, für mich, wichtigsten Aspekten „zufrieden gegeben“.

tl;dr:

Zufriedenheit ist kein echtes Gefühl. Zufriedenheit hängt von Zielsetzungen/Erreichen des Ziels, Bedürfnissen und Neid ab. Und Perfektionisten sind eh immer die gearschten was Zufriedenheit angeht 😉

 

Du magst vielleicht auch

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.