Bist du glücklich? | Depressionen und der Sinn des Lebens | Arbeits-Rant

Hallo, ich schon wieder!

Um die nachfolgende Szene verstehen zu können, möchte ich kurz etwas weiter ausholen, für die, die mich nicht wirklich kennen…also eigentlich alle außer Ingrid 😀

Ich bin psychisch nicht gerade die gesündeste Person auf Erden. Genau genommen, habe ich eigentlich seit meiner Kindheit Depressionen. Ich war schon immer anders als die anderen, hatte mich stets versucht anzupassen, aber nie das Gefühl gehabt, wirklich dazu zu gehören. Da ich als Kind sehr dünn und schwach war und auch mit sozialen Interaktionen meine Probleme hatte, war ich stets ein leichtes Ziel für Anfeindungen.

Ich will damit nicht sagen, dass ich ein Mobbing-Opfer war, das war ich wirklich nicht. Ich war und bin lediglich überhaupt nicht schlagfertig, sodass ich immer total dumm dastehe, wenn mal ein Witz auf meine Kosten gemacht wird. Und früher habe ich nunmal alles persönlich genommen, was nicht gerade förderlich für meine Psyche war.

Insgeheim gab ich meinen Eltern die Schuld an meiner Situation, an meinen Gefühlen, sodass ich immer sehr wütend auf sie war. Also zog ich direkt nach meinem 18. Geburtstag aus dem Elternhaus aus, in das Dorf in dem ich meine erste Ausbildung begann.

Tja…dumm nur, dass alleine die Entfernung zu meinen Eltern meinen psychischen Zustand wahrlich nicht verbesserte. So kam es, wie es kommen musste – ich konnte nicht mehr! Burnout mit 18 Jahren.

Ich konnte mir damals natürlich nicht eingestehen, dass ich, beziehungsweise meine Psyche, das Problem war, dass ich dringend eine Therapie brauchte, dass meine Gefühle nicht normal sind und dass das sich ändern kann. Nur konnte ich mich nicht daran erinnern, wie es ist, keine Depressionen zu haben.

Wenn ein Mensch blind zur Welt kommt, ist die Blindheit für ihn „normal“. Er weiß nicht wie sehen sich anfühlt. Wenn es ihm keiner sagt, wüsste er wohl auch nicht, dass mit ihm etwas nicht stimmt. Anders ist es mit einer Person die zB. aufgrund einer Krankheit mit 30 Jahren plötzlich blind wird. Für ihn ist es eine klare Behinderung, da er es gewohnt ist zu sehen und es nun auf einmal nicht mehr kann. Er weiß natürlich, dass etwas mit ihm nicht stimmt, da er den Unterschied kennt.

Also brach ich die Ausbildung ab, die ganz nebenbei gesagt wirklich schrecklich war – wohl auf für gesunde Menschen. Es herrschte ein unerträgliches Arbeitsklima und man wurde erniedrigt wo es nur ging. Wie es nach dem Abbruch der Ausbildung mit mir weiter ging, werde ich bei Gelegenheit in einem extra Beitrag schreiben, hier kürze ich das ganze aber ab, da ich sonst noch nächste Woche an diesem Beitrag sitze! 😀

Mit 18 Jahren brach ich also die Ausbildung ab, danach folgten Jahre von Arbeitslosigkeit und ein Versuch das Abitur nachzuholen, was dann aber aus dem gleichen Grund, kurz vor Beendigung der 12. Klasse, scheiterte. 5 Jahre später bekam ich dann die Gelegenheit über das Arbeitsamt, durch Teilhabe am Arbeitsleben, eine Ausbildung zum Immobilienkaufmann zu absolvieren. So hatte ich also einen ziemlich späten „Einstieg in den Arbeitsmarkt“.

Jetzt komme ich zu dem Punkt, weshalb ich so weit aushole und was mich überhaupt erst dazu veranlasst hat über dieses Thema zu schreiben.

Ich hatte während der Ausbildung auch nur recht kurze Arbeitszeiten, sodass ich dann nach der Ausbildung so gar nicht gewöhnt war, eine 40 Stunden Woche zu arbeiten. Ich bin es also schon immer gewöhnt, recht viel Zeit am Tag für mich und meine Hobbys zu haben.

Nach der Ausbildung begann ich dann nun direkt, in Vollzeit, zu arbeiten. Nach 3 Monaten besuchten uns meine Eltern in Hamburg. Natürlich wurde ich im Verlauf dieses Besuches irgendwann gefragt, wie es mir denn nun mit meinem Job so ginge. Worauf ich dann wahrheitsgemäß antwortete, dass ich eigentlich nur noch für die Arbeit lebe. Ich stehe morgens ziemlich früh auf, um zur Arbeit zu gehen. Komme dann Abends nach Hause und bin total erschöpft. Ich habe keine 4 Stunden, bis ich wieder ins Bett muss. In der Zeit muss der Haushalt erledigt, eingekauft und gekocht werden. Und schon hat man nur noch 1-2 Stunden, die man total ausgepowert vorm Fernseher liegt und eigentlich nur darauf wartet ins Bett zu gehen.

Wo ist da die Zeit für mich, für meine Hobbys, Zeit um mit meiner Freundin schöne Dinge machen zu können (nicht nur das, was ihr jetzt denkt, ihr Ferkel! :D)? Das Wochenende macht den Bock auch nicht mehr fett, da bin ich bereits so platt von der Arbeitswoche, dass ich den ganzen Tag nur schlafen könnte.

Daraufhin lachte meine Familie nur und meinte, dass das ja eigentlich „normal“ ist.

Das akzeptiere ich so aber nicht. Wieso ist es denn „normal“, nur für seine Arbeit zu leben? Ich will doch nicht erst in der Rente meine Hobbys ausleben können. Vor allem bin ich bis dahin vermutlich eh zu alt und kaputt für viele Hobbys. Was ist der Sinn hinter dieser Aussage? Nur weil etwas der „Norm“ entspricht, heißt es doch noch lange nicht, dass es etwas gutes ist? Früher war es auch normal dunkelhäutige Menschen (was ist jetzt eigentlich der richtige politisch korrekte Begriff?) zu unterdrücken und als Sklaven zu halten. War damals normal, war es denn auch gut? Ich denke nicht!

Das Prinzip des Arbeitens ist es doch, seine Lebenszeit als Dienstleistung an den jeweiligen Chef zu verkaufen um im Gegenzug Geld dafür zu bekommen und die restliche Lebenszeit davon „leben“ zu können. Nur bleibt irgendwie leider fast gar nichts übrig, wofür es sich zu arbeiten lohnt. Geht man allerdings nicht arbeiten, hat man zwar wieder mehr Zeit, dafür kein Geld…

Mein ganzer bisheriger Text bezieht sich übrigens auf mich und Menschen, die so sind wie ich. Es gibt sicherlich auch viele Menschen, deren Job ihnen Spaß macht und davon erfüllt werden. Außerdem habe ich, durch meine psychische Vorerkrankung, einen ganz anderen Energiehaushalt und anderes Stresslevel, wodurch gesunde Menschen womöglich viel weniger Zeit für ihre Regeneration benötigen und so die Zeit, die ihnen bleibt, viel besser nutzen können, als ich.

Ich bin mir sicher, dass ich auf Dauer nicht glücklich werden und sein kann, als „normaler“ Arbeitnehmer. Daher rührt mein inneres Verlangen, selbstständig zu werden. Ich will das tun, was mir Spaß macht und womit ich mich identifizieren kann und dabei auch noch bestenfalls genug Geld verdienen um davon leben zu können.

Ich glaube nicht an einen Gott, ich glaube nicht an ein Leben nach dem Tod. Ich habe nur dieses eine Leben und die Stunden, Tage, Jahre, die ich noch zu leben habe werden mit jedem Tag weniger. Geld kommt und geht – Zeit nicht! Daher will ich das Beste aus meinem Leben machen. Ich will JETZT leben und alles daran setzen glücklich zu werden, sein und bleiben. Viele Menschen suchen nach dem Sinn des Lebens und ich glaube, dass es eigentlich nur darauf an kommt glücklich zu sein.

Ich bin nicht auf der Welt um einen Zweck zu erfüllen, ich bin nicht hier um eure Firma noch reicher zu machen oder meine Gene auf der ganzen Welt (in Form von Kinder) zu verteilen. Wenn mich das glücklich machen würde, dann natürlich schon. Nur tut es das nicht. Bevor ihr jetzt denkt, ich propagiere eine Ellenbogengesellschaft in der sich jeder nimmt was er will und nur auf sich selbst schaut, will ich noch anmerken, dass das natürlich auch überhaupt nicht in meinem Sinne ist und ich solche Menschen verabscheue.

Das eigene Glück sollte nicht auf Kosten anderer gehen und zu deren Unglück führen. Ich bekomme ein tolles inneres Gefühl, wenn ich etwas „Gutes“ tue und das ganz ohne den Hintergedanken, dafür dem Himmel ein Stück näher zu kommen. Eigentlich gar nicht mal so dumm, das mit Religion, Nächstenliebe und so. Wenn man schon aus freien Stücken nichts „Gutes“ tun will, dann doch wenigstens aus egoistischen Gründen um selbst in den Himmel zu kommen. Hauptsache es passieren gute Dinge! Hat was von diesen PR-Aktionen von Firmen und Personen der Öffentlichkeit. Das wofür sie spenden, ist den Firmen und Promis oft scheiß egal, Hauptsache die Medien kriegen es mit und berichten darüber, was für ein toller Mensch man doch sei. Aber besser solche Dinge passieren aus niederen Beweggründen, als gar nicht!

Ich glaube es gibt keine pauschale Antwort auf die Frage, was uns glücklich macht. Das muss jeder für sich selbst herausfinden. Den einen macht ein stabiles Umfeld mit Familie und engen Freunden glücklich, der andere braucht die finanzielle Absicherung und vielleicht auch so manchen Luxus und wieder andere brauchen eine Sache, wofür sie sich komplett hingeben können, sei es sich dem Naturschutz zu verschreiben, oder als Mitglied irgendeiner verschrobenen Sekte zu leben. Wieder andere brauchen stets neue Herausforderungen, sind Wissbegierig, wollen immer mehr und mehr dazu lernen, oder sind Entdecker und wollen alle Länder der Erde bereisen.

Und ich…ich glaube ich bin ein bisschen von allem.

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