Besuch aus der Vergangenheit

Hallo 🙂 Ich möchte euch aus gegebenem Anlass eine kleine Geschichte erzählen.

Im Jahr 2012 besuchte ich meinen alten Sandkastenkumpel und seine Freundin (inzwischen Ehefrau) in einer kleinen verschlafenen Stadt im schwäbischen Süddeutschland. Wir gingen jeden Abend gemeinsam in die Stammkneipe der beiden und ich lernte jede Menge interessanter Menschen kennen.

Eines Abends kam ein Typ mit recht kurzen aber unglaublich gut gemachten Dreadlocks, zu uns an den Tisch. Er hatte Geburtstag und wollte uns für das Wochenende auf seine Geburtstagsparty einladen, die er in der Burgruine des nahegelegenen Berges zu feiern plante.

So kam es, dass ich am 3. oder 4. (den genauen Tag weiß ich leider nicht mehr) August 2012 auf die Geburtstagsfeier dieses Typen ging, dessen Namen ich bis dato noch nicht einmal kannte. In der Burgruine angekommen, waren bereits dutzende Menschen am feiern und erste Alkoholleichen lagen auch schon in den Ecken verstreut.

Und dann stand sie auf einmal vor mir. Klein, zierlich, feuerrote Haare und das schönste Lächeln, das ich je gesehen habe. Sie unterhielt sich mit der Freundin meines Sandkastenkumpels über ihr Psychologiestudium und mein Herz pochte im Hals. Ich war damals sehr von der Idee angetan Psychologie zu studieren. Je länger ich den beiden zuhörte, desto klarer wurde mir, dass da ein Engel vor mir stehen muss. Klug, sympathisch und wunderschön – zu schön um wahr zu sein.

Schließlich traute ich mich in die Konversation einzusteigen, stellte mich vor und fragte sie über ihr Studium aus. Auch sie stellte sich vor und ich musste schmunzeln. Sie hat, wie ich auch, einen total altmodischen Namen – Ingrid!

Leider mischte sich eine andere, ziemlich aufdringliche Person, in das Gespräch ein und fing an, auf mich einzureden. Ehe ich mich versah, war Ingrid auch schon weg und ich konnte nichts dagegen machen. Eine Weile später sah ich, wie sie mit einem Typen rumknutschte, der sich als ihr derzeitiger Freund herausstellte. Das Herzpochen im Hals verstummte und formte sich zu einem gigantischen Klos.

Bald darauf zog ich dann auch in diese Stadt und der Typ, auf dessen Geburtstagsparty Ingrid und ich uns kennenlernten, entwickelte sich ziemlich schnell zu meinem besten Freund.

5 Jahre später wohne ich mit Ingrid und unseren Katzen in einer kleinen gemütlichen Wohnung in Hamburg und er ist für ein paar Tage bei uns zu Besuch. Wenn wir so zusammen sitzen und über gemeinsame Bekannte ablästern, muss ich immer daran denken, welch Zufall uns an diesen Ort zusammen geführt hat.

Hätte ich damals nicht spontan entschieden meinen alten Sandkastenkumpel zu besuchen, wäre ich wohl kaum auf diese Geburtstagsparty eingeladen worden und hätte nie Ingrid kennen gelernt. Hätte ich nicht alle Zelte abgebrochen und wäre in diese Stadt gezogen, hätte ich Ingrid wohl gekannt, aber vielleicht nie wieder gesehen. Es gibt so viele Entscheidungen, die ich später bereut hatte, da sie mich teilweise Jahre meines Lebens gekostet und mir bleibende (seelische) Narben beschert hatten. Und doch hat mich jede einzelne Entscheidung dazu gebracht heute hier zu sein…mit Ingrid!!

Ich finde es faszinierend darüber nachzudenken, wie mein Leben wohl aussähe, wenn ich einzelne Entscheidungen anders gefällt hätte. In dem Zusammenhang wollte ich noch kurz anmerken, dass ich nicht wirklich an Zufall, aber auch nicht an die klassische Form von Schicksal glaube. Mich überzeugt am ehesten der Determinismus.

In der Naturphilosophie wird ein allgemeiner Determinismus zumeist durch zwei Annahmen gestützt: erstens dass sämtliche natürlichen Prozesse durch Naturgesetze bestimmt sind und dass zweitens die Bewegungsgleichungen dazu beim Einsetzen von exakten Werten eine eindeutige Lösung liefern und damit die Ergebnisse festlegen. Ob diese Annahmen durchgängig zutreffen, ist umstritten. Wenn das Weltgeschehen jedenfalls festgelegt ist, scheint dies einen Widerspruch für die Existenz eines freien Willens zu erzeugen. Ob dieser Widerspruch besteht, ist ebenso umstritten wie die jeweiligen Konsequenzen.

Wikipedia (die beste Quellenangabe der Welt *hust* ….ich weiß 😀 )

Dieser Freund hat zwar keine Leckereien aus Süddeutschland mitgebracht, die ich hier in Hamburg so schmerzlich vermisse, dafür jedoch einen Koffer voller Erinnerungen. Sprichwörtlich natürlich…Ich fühle mich gerade wie Stotter-Bill (Es, Stephen King), der alles aus seiner Vergangenheit verdrängt hat und sich durch den Anruf von Mike, nach und nach an die gemeinsame Zeit zu erinnern beginnt.

Wie ist es bei euch? Bereut ihr gewisse Entscheidungen in eurem Leben? Glaubt ihr an Schicksal, Zufall, Karma, Determinismus oder gar an Gott? Schreibt es mir gerne in die Kommentare! Übrigens könnt ihr euch, sofern euch meine bisherigen Texte zusagen, gerne auch in meinem Newsletter eintragen. Ihr werdet dann per E-Mail benachrichtigt, wenn ich einen neuen Blogeintrag veröffentliche.

Euer deterministisch-atheistisch veranlagter, AfD hassender Hobbyphilosoph und -heimwerker Jürgen.

 

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2 Kommentare

  1. Ich glaube das Zufall und Schicksal gemeinsam durch das Leben jeden einzelnen ziehen. Sie geben Anstöße aber jeder ist selbst verantwortlich etwas daraus zu machen. Das mein Mann und Ich heute hier sind wo wir sind, ist Schicksal, gepaart mit Zufall. Wir kennen uns ewig und kamen nie von einander los (schicksal) aber hätte sein Kumpel sich nicht scheiden lassen und ich diesem damals nicht eingeladen(zufall)- who knows, ich wäre ne verrückte Katzenlady oder mit meinem Ex zusammen, den ich damals ungeschminkt, mit einr Axt über der Schulter auf mich aufmerksam gemacht habe. Was wenn du dich nicht getraut hättest dich ihr vorzustellen? Zufälliges Schicksal!

  2. Hey Juli,

    danke dir für deinen Kommentar! 🙂
    Ja das mit dem Zufall gepaart mit Schicksal kann ich absolut nachvollziehen, auch wenn ich selbst nicht daran glaube 😀

    Mich würde auch Interessieren, was du dir unter Schicksal genauer vorstellst. Die Definition laut Duden ist ja:

    „von einer höheren Macht über jemanden Verhängtes, ohne sichtliches menschliches Zutun sich Ereignendes, was jemandes Leben entscheidend bestimmt

    höhere Macht, die in einer nicht zu beeinflussenden Weise das Leben bestimmt und lenkt“

    Aber ich habe das Gefühl, dass so ziemlich jeder dem Wort Schicksal eine eigene Bedeutung gibt. Das gleiche gilt auch für die „Seele“, ich habe genauso viele Erklärungen / Definitionen für den Begriff Seele gehört, wie ich Leute dazu gefragt habe.

    LG Jürgen =)

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